Montag, 20. Juli 2015

Tage 12 & 13: Grand Canyon

Tag 12 (Samstag) - und wir sind in der absoluten Wildnis gelandet. In der Kommunikations-Wildnis: kein Telefonempfang, kein W-Lan, kein mobiles Internet und noch nicht mal GPS für's Navi. Nichts. Es gießt seit Stunden in Strömen, die Regentropfen prasseln auf's Holzdach unserer Hütte, hier gibt's keinen Fernseher und kein Radio - und es ist trotzdem einfach großartig. Wir sind am Grand Canyon, diesmal auf der Nordseite ("North Rim"), unsere Holzhütte ist eine sehr komfortable, supergemütliche Lodge mit Kühlschrank, Kaffeemaschine und Kamin, auf unserer Veranda stehen zwei Schaukelstühle, und wenn es nicht so schütten würde, wären wir in kaum 20 Schritten direkt am Rim, am Hang des Grand Canyon, an dem es mehrere Hundert Meter in die Tiefe geht. 



Wenn das Wetter besser wäre, dann könnten wir auch sehen, wie unfassbar schön es hier ist. Zum Glück gab es bei unserer Ankunft heute Nachmittag ein paar einigermaßen lichte und trockene Momente, so dass wir wenigstens einen ersten Mini-Eindruck gewinnen konnten. 


Vor zwei Jahren waren wir schon einmal am Grand Canyon, damals an der Südseite ("South Rim"), die von Las Vegas aus besser erreichbar ist. Damals schon war das Wetter bedeckt, zeitweise regnerisch und kühl. Zwischendurch brachen die Wolken aber immer wieder auf, so dass wir doch tolle Erinnerungen an die grandiose, einzigartige Landschaft mitnehmen konnten. Diesmal wollten wir den Grand Canyon nochmal besuchen und uns mehr Zeit nehmen - dass das Wetter noch schlechter sein würde, das hatten wir natürlich nicht auf dem Plan. Aber zum Glück sind wir zwei Nächte hier, und bis übermorgen früh wird es ja wohl nicht ununterbrochen durchregnen. Wir würden das Wetter gerne online checken, aber so ganz ohne Internet... Unser Lodge ist jedenfalls super, der Kühlschrank voll, Kaffee ist auch da, auf dem iPad gibt's außer der 3. Staffel von "House of Cards" auch genügend Bücher - auch ohne Internet werden die nächsten anderthalb Tage auf jeden Fall entspannt. Aber ich gebe gerne zu, dass so ein Dasein schon gewöhnungsbedürftig ist. Internet gibt es etwa eine Meile von hier nur im Store am Campingplatz, und zwar gaaanz laaaangsam und sehr instabil. Ansonsten nirgends. Natürlich sind wir schon wie die Süchtigen hingefahren, haben uns noch im Auto sitzend eingeloggt, alles gecheckt, festgestellt "nix verpasst" und sind wieder abgerauscht. Mal sehen, ob wir es bis morgen früh nach dem Frühstück ohne Netz aushalten... :-)
Es ist übrigens saukalt hier, in knapp 2500 Metern Höhe gerade mal 52 Grad Fahrenheit, das sind geschätzt 11 oder 12Grad Celsius (Online-Faktencheck für dieses Blog ist ja leider gerade nicht möglich...). Man kann draußen seinen Atem sehen, aber immerhin können wir mal eine Nacht ohne das stete Surren einer Klimaanlage verbringen. 
Heute Vormittag waren es auf dem Weg hierher noch sonnige 92 Grad Fahrenheit (ca. 33 Grad Celsius), als wir etwa 80 Meilen von hier an der berühmten Navajo-Bridge gehalten haben. Eigentlich sind es zwei fast baugleiche Brücken, die am Marble Canyon, nordöstlich des Grand Canyon, über den Colorado River führen. Direkt neben der alten Navajo-Bridge, die seit 1929 die damalige Fähre über den Fluss ersetzte, wurde erst vor 20 Jahren eine zweite Brücke gebaut, um die schwerer und breiter gewordenen Autos, Wohnmobile und Lkw sicher über den Colorado zu bringen. Die alte Brücke ist seitdem Fußgängern vorbehalten. Die beiden Brücken sehen aus, als würden sie direkt aus den schroff abfallenden Hängen des Canyons herauswachsen. Von der Fußgängerbrücke aus hat man einen unbeschreiblichen Blick tief hinunter auf den Colorado. Während unseres Brückenspaziergangs trafen wir sogar einen Kalifornischen Condor. Die Spannbreite der Flügel des Condors kann bis zur drei Metern betragen! 





Der Tag begann heute früh gegen halb sechs mit einem grandiosen Sonnenaufgang im Monument Valley. Bis unmittelbar vor unserer Abfahrt standen wir auf unserem Balkon und inhalierten den fantastischen Ausblick und das wechselnde Farbenspiel der Monolithe in der Wüste. Ob der Grand Canyon diese Eindrücke noch toppen kann, falls das Wetter jemals besser wird? 


Inzwischen sind wir also ohne Internet und bei Regen Holzhüttenbewohner am Grand Canyon. Einen Riesen-Aufreger gab es in unserer gemütlichen Lodge schon mal: eine Riesenspinne hatte es sich beim Schreiben dieser Zeilen, während ich auf dem Bett hockte, auf meiner Hüfte bequem gemacht. Unter dem brüllenden Gelächter der Familie sprang ich rumpelstilzchen-like kreischend durch die Hütte und schüttelte panisch Arme und Beine aus, um sie loszuwerden. Die Gäste in der Nachbar-Lodge, die mit uns Tür an Tür wohnen, haben bei dem Lärm vermutlich an ein Familiendrama gedacht. Bei meinem Ausbruch habe ich so hysterisch rumgefuchtelt, dass ich meinen Lieblingsring verloren habe, den wir zum Glück nach einer längeren Suchaktion in einer Ecke des Zimmers hinter einem Rucksack wiedergefunden haben. Dirk und Charlotte haben sich dann dankenswerterweise als Kammerjäger auf die Suche nach weiteren tödlichen Gefahren durch Krabbeltiere gemacht, aber zum Glück nichts weiter entdeckt. Wie gerne würde ich jetzt das Internet befragen, ob sich nachts aus hölzernen Decken Sippschaften von Spinnen auf schlafende Touristen abseilen!
Der nächste Morgen (Sonntag) - und es geht noch schlimmer: Zwar hat der Regen aufgehört, aber dafür herrscht dichter Nebel. So dicht, dass wir vom Canyon gar nichts sehen können. Null. Nur weiße wabernde undurchdringliche Nebelschwaden. 


Wir machen uns trotzdem auf zu einem kleinen Spaziergang zum nächstgelegenen Aussichtspunkt und sehen - nichts. Gemeinerweise stehen überall Hinweisschilder mit großformatigen Farbfotos rum, auf denen wir sehen können, was wir sehen könnten, wenn wir denn was sehen würden. Es ist zum Heulen! 


Wir fahren zu einem Aussichtspunkt in der Hoffnung auf bessere Sicht, aber auch am höchsten Punkt des gesamten Grand Canyon National Park, dem Point Imperial auf fast 2.700 Metern Höhe, nur Waschküche. Erst auf dem Rückweg lichtet sich der Nebel etwas, und als wir wieder zurück an unserer Lodge sind, reißt der Himmel auf und uns bieten sich die unglaublichsten Ausblicke dar, die wir je gesehen haben. Noch viel viel schöner, als vor zwei Jahren am South Rim, und so grandios, dass es einem die Sprache verschlägt. Und wieder geben die Bilder das Erlebnis nicht annähernd wieder. Meilenweit können wir plötzlich in die zerklüftete Landschaft sehen. Die Felsen und Klippen schillern in Rot-, Beige-, Braun-, Grau- und Grüntönen, und die Canyons zwischen den Felsen, die sich in Jahrmillionen dort hineingegraben haben, erscheinen unendlich weit und tief. 
Der View Room hat Panoramafenster, und wo heute Morgen noch einfach nur Weiß zu sehen war, sieht man heute Abend den schönsten Sonnenuntergang. 





Zum Abendessen bekommen wir einen Tisch am Fenster mit Wow-Aussicht und sitzen später noch lange auf der Terrasse, um das Farbenspiel der Schluchten im Licht der untergehenden Sonne zu genießen. Der Grand Canyon ist insgesamt fast 450 km breit. Selbst bei der fabelhaften Fernsicht heute Abend sieht man also nur einen kleinen Ausschnitt dieses Naturwunders, obwohl wir meilenweit sehen können. Für Panorama-Aufnahmen ist die völlige Gerade des Hochplateaus in der Ferne bestens als Bezugslinie geeignet. Hinterm Horizont geht es hier tatsächlich noch weiter. 



   

Freitag, 17. Juli 2015

Tag 11: Unvergessliche Ausblicke

Dies


ist vermutlich der schönste Platz, an dem man ein Reisetagebuch schreiben kann. Die Aussicht von unserem Balkon im View-Hotel ins Monument Valley ist atemberaubend, und die Spätnachmittags-Sonne lässt die Monolithen in warmen rotbraun-Tönen nochmal doppelt so schön erstrahlen. Man kann sich gar nicht sattsehen an diesem Anblick. Wenn gleich der Marlboro-Mann um die Ecke reitet, würde mich das überhaupt nicht wundern. 
Das Monument Valley liegt im Gebiet des Navajo Indian Reservation. Schon die Fahrt hierher, wenn die Felsformationen immer näher kommen, ist unbeschreiblich. 



Mexican Hat, eine Felsformation wie ein Sombrero, kurz vor dem Monument Valley.

Die Monolithe vor unserem Balkon sind mehrere Hundert Meter hoch. Ihre rote Färbung kommt vom Eisenoxid in den Gesteinsschichten. Das Trio heißt West Mitten Butte (links), East Mitten Butte (Mitte) und Merrick Butte (rechts). Wie hoch sie tatsächlich sind, sieht man eigentlich erst beim Vergleich mit den winzigen Autos, die davor auf der unbefestigten Wüstenpiste fahren. 



Diverse Hollywood-Blockbuster wurden, nebst Marlboro-Werbung, hier gedreht, u.a. einige John-Wayne-Western, "Spiel mir das Lied vom Tod", "Thelma und Louise" oder auch Teile der Eröffnungsszene aus "Mission Impossible II". John Wayne wird hier sehr verehrt - im giftshop gibt es eine ganze Abteilung mit Devotionalien.


Nur wenige Kilometer vom Monument Valley entfernt haben wir heute Nachmittag schon die ersten Wow-Momente erlebt: Im Gooseneck Statepark windet sich der San Juan-River in engen Schlingen um die Felsen - wie lange Schwanenhälse sieht das aus, daher der Name. Aus 450 Metern Höhe hat man einen unglaublichen Blick auf dieses Naturschauspiel. 




Die Bilder geben leider nicht annähernd wieder, bei großartig dieser Anblick ist. Für den einzigen Beinahe-Reinfall unseres Urlaubs bisher bin ich mit diesen Eindrücken mehr als entschädigt: Heute Vormittag haben wir auf dem Weg hierher einen Halt am Four-Corners-Monument eingelegt. Das ist die einzige Stelle in den USA, an der gleich 4 Bundesstaaten aufeinandertreffen, nämlich New Mexico, Arizona, Utah und Colorado. Das "Monument" ist aber nicht mehr als eine Bronzescheibe in einer geviertelten Granitplatte. Drumherum steht "Here meet in freedom under God four States." Immer zwei Worte stehen in einem der vier Bundesstaaten. Wow. Das ist ungefähr so spektakulär, wie der Übergang von NRW nach Niedersachsen kurz hinter Rheine im Holsterfeld. Trotzdem gehören die obligatorischen Fotos dazu (für die wir eine halbe Stunde anstehen müssen), denn wann liegt man schon mal in vier US-Bundesstaaten gleichzeitig? Außerdem liegt Four Corners praktisch auf unserem Weg, daher war der kleine Abstecher schon okay. 




Unsere nächste Station nach dem Four-Corners-Monument war Bluff, eine winzige Ortschaft, die ein einziges, aber witziges Fotomotiv hergibt: die Twin Rocks.


Das Abendessen haben wir heute im Hotelrestaurant genossen, mega-Aussicht inklusive:


Der Ausblick wirkt im ersten Moment wie eine Projektion auf eine Leinwand vor den Fenstern, die sich in der nächsten Sekunde vielleicht in eine Skyline oder in die Münsterländer Parklandschaft verwandelt. Irgendwie unwirklich und gleichzeitig unfassbar schön. - Noch ein wenig Sonnenuntergangsromantik aus dem Monument Valley gefällig?




Wir sind schon gespannt auf die Eindrücke morgen früh bei Sonnenaufgang!

Donnerstag, 16. Juli 2015

Tag 10: Unterwegs auf der Route 66

Die Route 66, Amerikas berühmte historische Straße, die ursprünglich 2.500 Kilometer von Chicago im Nordosten nach Santa Monica ganz im Westen verlief, hat in Albuquerque eine Besonderheit: sie kreuzt sich mit sich selbst. Der Straßenverlauf wurde nämlich in den 30er Jahren in New Mexico umgelegt, um die Strecke zu verkürzen. Dadurch gibt es in ABQ an der Ecke Central Avenue/4th Street eine Kreuzung der ursprünglichen Route 66 mit der umgelegten 66. 

Mitten in Albuquerque kreuzt die Route 66 die Route 66. 

Die Route 66 ist zwischen Albuquerque und Gallup heute weitgehend der Interstate 40 gewichen. Aber wenn man die I 40 verlässt, findet man z.B. im kleinen Ort Grants noch Spuren früherer Herrlichkeit, als die kleinen Städte entlang der Route 66 boomten. In Grants, wie in vielen anderen Orten entlang der Strecke auch, sind die alten Motels aber längst geschlossen und verwittern vor sich hin, und oft erinnern nur noch die historischen Schilder an vergangene bessere Zeiten. 

Hat schon bessere Zeiten gesehen: Grants an der Route 66.

In Gallup werden die Erinnerungen an die goldenen Zeiten hochgehalten, führt doch die historische Route 66 tatsächlich bis heute durch den Ort und wird hier noch viel befahren. Gleich an der Abfahrt der Interstate 40 liegt unser Etappenziel, das historische El Rancho Hotel mit der schönen Adresse "1000 East 66". 



Blick von der Veranda im El Rancho Hotel auf die Route 66.

Das El Rancho ist vor allem als "Home of the Movie Stars" bekannt geworden, denn hier haben praktisch alle Hollywood-Filmstars der 30er bis 50er Jahre mal genächtigt. Rund um Gallup, in der oft herrlichen, oft aber auch kargen Landschaft New Mexicos, sind seinerzeit viele Filme, vor allem Western, gedreht worden, und bis heute rühmt sich das El Rancho der Stars von damals. Überall hängen ihre Fotos mit Widmungen - John Wayne, Spencer Tracy, Katherine Hepburn, Doris Day, Errol Flynn, Burt Lancaster, Gregory Peck, Kirk Douglas, Humphrey Bogart und Lee Marvin haben unter anderem hier gewohnt. Wie passend, dass Lee Marvin's wundervoll gekrächztes One-Hit-Wonder "Wandrin' Star" aus dem Film "Westwärts zieht der Wind" (1970) ohnehin zu unserem Urlaubs-Soundtrack gehört! 
Das Hotel El Rancho stammt aus den 30er Jahren und steht heute unter Denkmalschutz. Schon die Lobby ist sensationell mit ihrer geschwungenen Treppe mit den zwei Aufgängen, dem glänzenden Steinfußboden, Massivholzmöbeln, Sitzgelegenheiten aus Büffelhorn, Wagenradlampen, einer doppelsitzigen Schuhputzstation und viel plüschigem roten Stoff. Im ersten Stock ist die Galerie der Stars.






Unser Zimmer ist zwar recht klein, aber gemütlich und nach Jackie Cooper benannt, der in den 30er Jahren unter anderem durch "Die kleinen Strolche" und "Skippy" zum Kinderstar avancierte und für "Skippy" sogar für einen Oscar nominiert war. Nach Jahrzehnten mit unbedeutenden Rollen spielte er ab 1978 in den Superman-Filmen den Zeitungsredakteur Perry White. Als Regisseur von Fernsehserien gewann er in den 70er Jahren zwei "Emmies" (für M.A.S.H. und für "The White Shadow").

Jackie Cooper, der Namenspatron unseres Zimmers im El Rancho

Gallup selbst ist eine Ansammlung sämtlicher Motel- und Fastfood-Ketten des Landes entlang der Route 66 mit unzähligen kleinen Shops in den Nebenstraßen. Auch hier gibt es überall Kunsthandwerk und Schmuck der Natives zu kaufen, vor allem Silberschmuck mit Türkisen. Hier dürfen die (unaufdringlichen) Verkäufer auch in den Restaurants an die Tische kommen und ihre Waren feilbieten. 
Im Gallup-Stadtführer haben wir gelernt, dass es hier Standard ist, alles mit Chili zu essen. New Mexico ist eines der größten Chili-Anbaugebiete der Welt. Sogar McDonald's & Co. haben ihre "Speisekarte" angepasst und bieten die Burger auch "chili-style" an. Chilis gehören einfach zu allem, von Pizza über Steaks bis zum Frühstücks-Burrito, und sogar ein paar örtliche Biere sind mit Chili "angereichert". Rote Chili-Schoten sind etwas milder als grüne, aber wer essen will wie die Natives, der bestellt sein Gericht "Christmas style", also mit roten UND grünen Chilis. Danach speit man vermutlich Feuer, denn für unsere mitteleuropäische Zungen sind schon die roten Chilis extrem scharf. 


In Gallup scheinen die 22.000 Bewohner besonders stolze Amerikaner zu sein. Der US-Straßenkartenhersteller Rand McNally (von dem wir auf unseren USA-Reisen immer Dirks riesigen Road Atlas aus dem Jahr 1987 mitschleppen - leistet immer noch treue Dienste!) hat Gallup zur "Patriotischsten Kleinstadt in Amerika" ernannt. Leider konnten wir uns davon bei unserem Abendspaziergang durch Downtown kein Bild mehr machen - tote Hose in Gallup. Die meisten der mehr als 100 Geschäfte schließen um halb sechs oder sechs. Aber den Charme der alten Route 66 verströmt die kleine Stadt trotzdem in allen Winkeln und Gassen. 




Die gute-Nacht-Zigarette stammt aber leider nicht aus diesem Automaten in der Lobby des El Rancho. Die gepflegte Hollywood-Diva der 40er Jahre konnte sich beim Kippen-Ziehen noch eben im eingebauten Spiegel den Lippenstift nachziehen - praktisch! :-)


Nachtrag: Ich weiß leider nicht, warum die iPad-App von blogger.com ständig unbemerkt die Schriftart ändert und wie ich das abstellen kann. Rat und Hilfe gerne über die Kommentar-Funktion - danke! 

Mittwoch, 15. Juli 2015

Tag 9: Auf Breaking-Bad-Pirsch in ABQ

Wenn ein Mann andächtig Sätze sagt wie "Hier hat Walter White gesessen", beim Anblick einer Autowaschstraße in Verzückung gerät und sich aufgeregt vor einem eher durchschnittlichen Wohnhaus fotografieren lässt - dann ist er auf "Breaking Bad"-Tour durch Albuquerque. Wir haben Dirk auf seiner Pirsch nach Original-Schauplätzen der Kult-Serie dann doch begleitet - eine Stadtrundfahrt der anderen Art, aber von großem Unterhaltungswert wegen crazy Dirk.

Da ich selbst keine einzige Folge gesehen habe, kann ich hier nur kurz aufzählen, wo wir gehalten haben - vermutlich werden die Fans unter euch ausrasten vor Begeisterung. Also: Wir hielten beim Burrito-Laden namens "Twisters", der in der Serie "Los Pollos Hermanos" heißt (hier haben wir auch gegessen - war okay), beim Crossroads-Motel (eine üble Absteige - bin sicherheitshalber mit Charlotte nicht ausgestiegen), bei Walter Whites Haus in einem Vorort von ABQ (wo innerhalb der fünf Minuten, die wir dort gehalten haben, noch vier mal andere Fans stoppten - unfassbar!), an der Autowaschanlage  "Octopus Carwash" (die inzwischen "Mister Carwash" heißt und wo man sich mit einem fröhlichen "Have an A1 day!" von anderen Fans verabschiedet), an einer superscheußlichen modernen Plaza in Downtown ABQ (habe vergessen, warum) und an Jesse Pinkman's Haus (wo wir wegen einer Straßenbaustelle von einem Bauarbeiter weggejagt wurden). Am lustigsten war es an Walter Whites Haus: Die echten Besitzer saßen auf Campingstühlen in ihrer Garage und beobachten die Fans, die im Minutentakt vor ihrem Haus stoppten und Fotos machten. Der Inhaber fuchtelte dabei permanent mit einer Fliegenklatsche in der Hand herum, und ich bin mir nicht sicher, ob er damit wirklich lästige Fliegen aus der Garage oder doch eher lästige Fans von seinem Grundstück vertreibt. Den "private property"-Schildern im Vorgarten nach zu urteilen, scheuen aufdringliche Besucher vermutlich nicht davor zurück, neugierig über das Grundstück zu latschen und durch die Fenster zu starren. 





Kaum zu glauben, aber Albuquerque hat tatsächlich mehr zu bieten, als Breaking Bad. Zum Beispiel eine schöne "Old Town" mit Plazas, Pueblos und Patios. Es gibt viele Kunstgalerien und Souvenirläden und viel Native American Jewelry. Die Indianer bezeichnen sich selbst als "Native Americans" oder "Natives", manche auch als "American Indians". Aber die Bezeichnung "Indians" wird von den meisten Natives ablehnt, weil sie ein Begriff der fremden Kolonialisten ist. Wie schon in Santa Fe, bieten die Natives auf den Plazas vor allem schönen Silberschmuck und Kunsthandwerk an. 



Wir schlendern durch die Altstadt und essen richtig leckere Tacos und Burritos im Patio des  "Backstreet Grill". Mexican Food gibt es in ABQ überall und zu jeder Tageszeit. Wir haben in New Mexico aber auch eine Fastfood-Kette entdeckt, die wir bislang noch gar nicht kannten: "Sonic". Das Besondere: Es ist ein drive-in-Laden, bei dem jedes Auto an einer eigenen Bestell-Station hält und Mitarbeiter auf Inlinern die Bestellung ans Auto bringen. 


Die Amis sind einfach zu lustig! Bei Burger-Schmieden fällt ihnen immer noch was Neues ein. Mal sehen, was wir noch alles entdecken. Gute Nacht aus dem Hotel Albuquerque at Old Town!



Heute Morgen starteten jede Menge Heißluftballone in Richtung Sonnenaufgang. Alljährlich im Oktober findet das weltgrößte Festival der Heißluftballone in Albuquerque statt - heute wurde offenbar schon mal trainiert. 

Dienstag, 14. Juli 2015

Tag 8: Über Santa Fe nach Albuquerque

Für alle unsere USA-Reisen stellen wir vorher einen passenden Roadtrip-Soundtrack zusammen, der via iPhone im Mietwagen läuft. Auf der Suche nach passenden Songs für Albuquerque, New Mexico, stießen wir auf einen Song aus dem Jahr 1970, der zwar nie ein Hit war, aber ganz schlimmes Ohrwurm-und Mitgröl-Potential hat: Aus der US-Fernsehserie "The Patridge Family" mit David Cassidy und Shirley Jones stammt "Point Me In The Direction of Albuquerque". Klingt so:

http://youtu.be/38XsRcDmTFc

Wem das zu sehr nach Schlager klingt, dem sei zu unserer Verteidigung gesagt: Es geht noch schlimmer! Wir hätten uns auch für Roberto Blancos "Der Puppenspieler von Mexiko" entscheiden können, denn dort heißt es gleich in der ersten Zeile: 

Auf dem Markt von Albuquerque lebte jahrelang ein Mann.
Er besaß nur ein paar Puppen, doch damit zog er alle an. 

Heute jedenfalls schlug die große Stunde unseres Partridge-Family-Oldies, den wir natürlich lautstark bei der Einfahrt nach Albuquerque mitsangen. Die Stadt ist mit 550.000 Einwohnern die größte in New Mexico, aber nicht etwa Hauptstadt dieses Bundesstaates - das ist Santa Fe, ein malerisches Städtchen von knapp 70.000 Einwohnern, das zwar nicht auf dem direkten Weg von Durango Richtung Albuquerque liegt, aber in jedem Fall den kleinen Abstecher lohnt. Schon die Fahrt war größtenteils ein Erlebnis: New Mexico liegt auf einer Hochebene, und es wirkt, als bestünde das Land nur aus Tafelbergen. Die Fernsicht ist einmalig - wir haben einen kleinen Eindruck davon bekommen, weshalb sich New Mexico auch "Land of Enchantment", also "Land der Verzauberung" nennt. 


Santa Fe wurde schon im 16. Jahrhundert von den ersten spanischen Siedlern gegründet - die englischen Siedler an der Ostküste der USA kamen erst einige Jahrzehnte später an. Typisch für Santa Fe ist der Pueblo-Baustil, der den Lehmhäusern der Indianer nachempfunden ist, mit den abgerundeten Ecken und Kanten (Adobe-Bauweise). Schon seit etwa 60 Jahren müssen alle neuen Gebäude in diesem Stil gebaut werden, was zu einem sehr einheitlichen Stadtbild geführt hat. Zentrum der Stadt ist die Santa Fe Plaza. 




Santa Fe's Kathedrale ist Franz von Assisi geweiht (St. Francis Cathedral), und auf dem Vorplatz steht eine wunderschöne Statue einer Indianerin: Kateri Tekakwitha vom Stamme der Mohawk. Sie lebte im 17. Jahrhundert, konvertierte zum Christentum und wurde 2012 von Papst Benedikt heilig gesprochen. Sie ist die erste Indianerin unter den Heiligen, die in der katholischen Kirche verehrt werden.


Von Santa Fe nach Albuquerque ist es nur noch eine Stunde Fahrzeit. Unser Hotel liegt in der Altstadt mit vielen historischen Gebäuden, ebenfalls im Adobe-Baustil, wie in Santa Fe. Albuquerque Old Town wollen wir heute Abend noch erkunden. Die Stadt hat in jüngster Zeit auch bei uns große Bekanntheit erlangt, weil hier die US-Kult-Fernsehserie "Breaking Bad" spielt. Dirk wird sich morgen auf eine self-guided-Tour zu den wichtigsten Schauplätzen und Drehorten machen, und Charlotte und ich werden uns noch ein Alternativ-Programm überlegen. Hier soll es sehr gute Shoppingmeilen geben... :-)